4. Todestag von Ante P.
Am 2. Mai 2026 jährt sich der Tod von
Ante P. zum vierten Mal – einem Mann, der in einer
psychischen Krise Hilfe brauchte und stattdessen starb.
Die Familie lädt um 17 Uhr zum Gedenken in die
Marktplatzkirche St. Sebastian (F1 6, 68159
Mannheim) ein. Danach werden
Blumen am Todesort niedergelegt (G2 7,
68159 Mannheim). Die Initiative 2. Mai installiert dort
einen Gedenkstuhl, um den leeren Platz sichtbar zu
machen, den Ante P. hinterlässt.
Ante P. starb
nach einem brutalen Polizeieinsatz auf dem Mannheimer
Marktplatz. Zahlreiche Zeug*innen filmten den Einsatz.
Zwei Polizeibeamte mussten sich 2024 vor Gericht
verantworten. Einer der beiden Polizisten wurde wegen
Körperverletzung verurteilt, der zweite freigesprochen.
Eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit Todesfolge
blieb aus, obwohl die Heidelberger Gerichtsmedizinerin
im Prozess aussagte, dass der Polizeieinsatz ursächlich
für den Tod von Ante P. war. Die Familie legte
daraufhin Revision ein. Der Bundesgerichtshof hob das
Urteil gegen den verurteilten Polizisten jedoch zu
dessen Gunsten auf: Die Faustschläge seien als Notwehr
gerechtfertigt gewesen. Der Rechtsbeistand der Familie
erwartet keinen Erfolg im neuen Verfahren. Das
Revisionsgericht hat eine schärfere Strafe
ausgeschlossen. Ein Freispruch des Polizisten wäre
denkbar. Einer Studie von Prof. Dr. Singelstein zufolge
enden weniger als ein Prozent aller
Ermittlungsverfahren wegen Polizeigewalt in Deutschland
mit einer Verurteilung. Die Initiative 2. Mai ruft
daher zur kritischen Prozessbeobachtung auf. Sie wollen
ein Schlaglicht darauf werfen, wieso Verurteilungen
wegen illegaler Polizeigewalt so selten erfolgen.
Sprecher der Initiative 2. Mai: „Wenn Gerichte die verantwortlichen Beamten nicht verurteilen, senden sie eine klare Botschaft: Dieses Vorgehen war richtig. Das ist eine Lizenz zur Wiederholung.”
Psychisch Erkrankte werden in der Kriminalitätsbekämpfung zu einer Gefährdergruppe erklärt, gegen die präventiv vorgegangen werden müsse.
Antonia P., Schwester des Verstorbenen: „Mein Bruder war in einer psychischen Krise. Er brauchte Hilfe. Er war nicht gefährlich und auch nicht unberechenbar. Sein Arzt stand wenige Meter von ihm entfernt, als er starb. Vor Gericht ist mein Bruder ein zweites Mal gestorben.”
Begleitend zum Gedenken lädt die Initiative am selben Tag zu einer Einführung in die Prozessbeobachtung um 15 Uhr im Citypastoral (F2 6, 68169 Mannheim) ein. Neben dem aktuellen Stand des Verfahrens werden Grundlagen, Abläufe und rechtliche Rahmenbedingungen von Prozessbeobachtung vermittelt.
Am 16. Mai um 15 Uhr findet in der Alten Feuerwache (Brückenstraße 2, 68167 Mannheim) ein Gespräch statt mit Vertreter*innen vom „Justice Collective” Berlin, einem zivilgesellschaftlichen Projekt, das sich kritisch mit dem Strafjustizsystem auseinandersetzt und u.a. Prozessbeobachtung als Instrument gegen Rassismus im Strafrecht etabliert, sowie mit Vertreter*innen der „TIN-Rechtshilfe e.V.”, einem gemeinnützigen Berliner Verein, der trans*, inter* und nicht-binäre Menschen rechtlich berät und strategisch bei der Durchsetzung ihrer Rechte begleitet. Am darauffolgenden Tag, dem 17. Mai, bieten die beiden Organisationen von 11 bis 18 Uhr einen Praxis-Workshop zur Prozessbegleitung an. Eine vorherige Anmeldung zum Workshop ist erforderlich.